
Bevor man einen Vertrag unterschreibt, öffnet man oft Google Maps in der Satellitenansicht, um die Ausrichtung eines Grundstücks zu überprüfen. Der Norden ist oben, der Süden unten, und man bekommt einen ersten Eindruck.
Das Problem ist, dass diese statische Ansicht nichts über den tatsächlichen Sonnenverlauf im Laufe des Tages oder über die von benachbarten Gebäuden oder Bäumen geworfenen Schatten aussagt. Um weiter zu gehen, muss man die Kartendaten von Google mit Solar-Simulationswerkzeugen kombinieren, die den Sonnenverlauf stundenweise modellieren.
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Grenzen von Google Maps allein zur Bewertung der Sonneneinstrahlung eines Grundstücks
Google Maps liefert präzise GPS-Koordinaten und eine nutzbare Satellitenansicht. Man kann den ungefähren Azimut einer Fassade ablesen, das Vorhandensein eines Gebäudes im Süden identifizieren oder Baumreihen erkennen, die Schatten werfen könnten. Das ist ein guter Ausgangspunkt.
Die Plattform modelliert jedoch nicht die Höhe der Sonne je nach Jahreszeit. Ein nach Süden ausgerichteter Balkon kann im Sommer um die Mittagszeit direktes Sonnenlicht erhalten, aber ab November im Schatten eines benachbarten Gebäudes stehen, wenn die Sonne niedrig am Horizont bleibt. Google Maps zeigt diese dynamische Realität nicht.
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Hier kommt die Simulation des Sonnenverlaufs auf Google Maps in Kombination mit Drittanbieter-Tools ins Spiel, die dieselben Kartendaten nutzen und eine Schicht solarer Berechnungen hinzufügen.

Kompatible Solar-Simulationswerkzeuge mit Google Maps: Welche zu verwenden
Mehrere Anwendungen überlagern den Sonnenverlauf auf einem Google Maps-Hintergrund oder nutzen direkt die Daten der Plattform. Man benötigt keine technischen Fähigkeiten, um sie zu verwenden, aber nicht alle bieten die gleiche Genauigkeit.
SunEarthTools und seine interaktive Karte
SunEarthTools zeigt auf einer interaktiven Karte das vollständige Solardiagramm eines bestimmten Punktes an: Azimut, Elevation, Zeiten für Auf- und Untergang. Man gibt eine Adresse oder Koordinaten ein, und der Verlauf der Trajektorie erscheint überlagert auf dem Kartenhintergrund. Das Tool berechnet auch die geworfenen Schatten für ein bestimmtes Datum und eine bestimmte Uhrzeit.
Der Hauptvorteil ist die Kostenfreiheit und der Zugang ohne Registrierung. Man kann schnell zwei Adressen vergleichen, indem man zwei Tabs öffnet. Die Einschränkung: Die 3D-Darstellung bleibt rudimentär, und die umliegenden Gebäude sind nicht volumetrisch modelliert.
Shadowmap und die weltweite 3D-Simulation
Shadowmap bietet eine 3D-Simulation des Sonnenlichts, die die meisten städtischen Gebiete abdeckt. Die Anwendung modelliert Gebäude, Bäume und das Gelände und projiziert dann die Schatten in Echtzeit je nach ausgewähltem Datum und Uhrzeit. So kann man die Schattenbereiche zu jeder Stunde des Tages präzise visualisieren auf einem bestimmten Grundstück.
Shadowmap wird jeden Monat von mehreren Hunderttausend Menschen genutzt. Die kostenlose Version reicht für eine gelegentliche Immobilienbewertung aus.
Google Solar API: Daten zum Solarpotential pro Gebäude
Seit der Umwandlung des ehemaligen Projekts Sunroof bietet Google eine strukturierte Solar-API mit drei Endpunkten (buildingInsights, dataLayers, geoTiff) an. Sie liefert für jedes abgedeckte Gebäude Daten zu Dachgeometrie, Schattenwurf und jährlichem sowie monatlichem Solarpotential.
Diese API deckt weltweit mehr als 470 Millionen Gebäude ab, einschließlich Westeuropa. Für Privatpersonen bleibt der direkte Zugang zur API technisch. Aber mehrere Immobilienwebsites und Solarinstallateure integrieren diese Daten in ihre eigenen Schnittstellen, was sie ohne Entwicklungskenntnisse nutzbar macht.
Ein Punkt, den man beachten sollte: Das Abrechnungsmodell der Google Maps Platform wurde am 1. März 2025 umstrukturiert, wobei das monatliche Pauschalkredit von 200 $ zugunsten von kostenlosen Obergrenzen pro SKU und der Schaffung von Essentials-, Pro- und Enterprise-Reihen abgeschafft wurde. Der kostenlose Zugang zu den Solardaten hängt nun vom Anfragevolumen ab, was vor allem Entwickler und Plattformen betrifft, nicht den Endbenutzer, der eine Website konsultiert, die diese Daten integriert.

Schritt-für-Schritt-Methode zur Simulation des Sonnenverlaufs auf einem Grundstück
Hier ist das Verfahren, das wir verwenden, um die tatsächliche Sonneneinstrahlung eines Grundstücks vor dem Kauf oder vor der Installation einer Solaranlage zu bewerten.
- Öffnen Sie Google Maps in der Satellitenansicht und notieren Sie die genauen GPS-Koordinaten des Grundstücks (Rechtsklick auf den Punkt, Koordinaten kopieren).
- Fügen Sie diese Koordinaten in SunEarthTools oder Shadowmap ein, um den Sonnenverlauf an den Schlüsselterminen anzuzeigen: Sommersonnenwende (21. Juni), Wintersonnenwende (21. Dezember) und Tagundnachtgleichen (März und September).
- Aktivieren Sie auf Shadowmap die 3D-Ansicht und scrollen Sie durch die Stunden, um die Zeiten zu identifizieren, in denen Schatten von benachbarten Gebäuden oder der Vegetation geworfen werden.
- Vergleichen Sie die Daten mit der Solar-API von Google (über eine Website, die sie integriert), um das geschätzte Solarpotential des Daches zu überprüfen, insbesondere die Neigung und den Azimut der Flächen.
- Kreuzen Sie diese Ergebnisse mit einem Vor-Ort-Besuch, idealerweise im Winter, wenn die Schatten am längsten und aufschlussreichsten sind.
Die digitale Simulation bleibt ein Hilfsmittel zur Entscheidungsfindung. Die Rückmeldungen variieren je nach Qualität des verfügbaren 3D-Modells für das betreffende Gebiet: In dicht besiedelten Innenstadtbereichen ist die Modellierung oft zuverlässig, während in ländlichen oder peri-urbanen Gebieten einige Hindernisse (hohe Hecken, neue Scheunen) fehlen können.
Sonneneinstrahlung und Solarenergie: Was die Simulation konkret verändert
Für ein Projekt mit Solarpanelen ermöglicht die Simulation die Schätzung der Anzahl der Stunden direkter Sonneneinstrahlung pro Dachfläche, Monat für Monat. Ohne diese Daten dimensioniert man blind. Mit diesen kann man entscheiden, ob man auf der Südseite (maximale Erträge im Winter) oder auf zwei Seiten installieren möchte, um die Produktion über den Tag zu glätten.
Für einen Immobilienkauf offenbart die Simulation unsichtbare Elemente bei einem klassischen Besuch: eine Terrasse, die ab 15 Uhr im Dezember die Sonne verliert, ein Wohnzimmer, das im Winter nie direktes Licht erhält, oder umgekehrt eine Westfassade, die im Sommer überhitzt und ein Problem mit dem thermischen Komfort darstellt.
Das Tool ersetzt kein Sonneneinstrahlungsdiagnose, die von einem Ingenieurbüro durchgeführt wird, aber es ermöglicht, Immobilien zu filtern oder eine Vorahnung vor Ort zu bestätigen, bevor man Kosten verursacht. Wenn man den Sonnenverlauf auf der Satellitenkarte eines Grundstücks überlagert, wechselt man von einer subjektiven Schätzung zu einer nutzbaren geografischen Daten.